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Maral Zahed, Pfarrerin im Spirituellen Zentrum Augsburg

Ich habe nicht einen Körper, sondern ich bin mein Körper.

Maral Zahed arbeitet als Pfarrerin in Augsburg und baut dort in einer halben Stelle ein spirituelles Zentrum auf. Mit einer weiteren Viertelstelle entwickelt sie einen YouTube-Kanal rund um „himmlisches Yoga“. Im Portrait erzählt sie, was sie am Theologiestudium begeistert hat, welche Erfahrungen sie besonders geprägt haben und wie sie Spiritualität, Körper und Ökumene miteinander verbindet.

Ein Studium voller Bücher und Möglichkeiten

„Ohne mein Theologiestudium würde mir ein Stück Lebendigkeit fehlen“

Für Maral hat sich das Theologiestudium von Beginn an richtig angefühlt. Besonders eindrücklich war ihr erster Tag in der Bibliothek. Die Fülle der Bücher hat sie überwältigt und gleichzeitig traurig gemacht, weil ihr klar wurde, dass sie unmöglich alle würde lesen können. Das Studium hat bei Maral vor allem zwei Fähigkeiten geschult: in die Weite zu denken und differenziert zu denken. Sie kann dadurch unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen, Zusammenhänge erkennen und genauer hinschauen. Für Maral ist das Theologiestudium deshalb mehr als eine wissenschaftliche Ausbildung. Ohne diese Erfahrungen würde ihr ein großes Stück Lebendigkeit fehlen, glaubt sie. Das Studium hat ihr neue Denkwege eröffnet und sie persönlich geprägt.

Eine Frau mit welligem, dunklem Haar in einer durchsichtigen schwarzen Bluse steht in einer Kunstgalerie und blickt nachdenklich zu den gerahmten Gemälden an der Wand hinter ihr hinauf.

Auf einen Blick

  • Name: Maral Zahed
  • Tätigkeit: Pfarrerin am Spirituellen Zentrum Augsburg & auf YouTube
  • Was sie am Theologiestudium schätzt: die Fähigkeit, weit und differenziert zu denken
  • Besonders prägende Erfahrung: sechs Wochen Ausbildung in klinischer Seelsorge
  • Was ihr wichtig ist: Empathie, Kontaktfreude, Rückzug und persönliche Gebetszeiten
  • Ihre Perspektive auf Spiritualität: Der ganze Mensch – Körper, Gedanken und Gefühle – ist vor Gott
„Wenn ich Yoga übe, bin ich ganz körperlich vor Gott. Ich habe nicht einen Körper, sondern ich bin mein Körper.“

Wo Fassaden fallen

Klinische Seelsorge: ehrlich über das sprechen, was zählt

Während des Studiums nahm Maral sechs Wochen lang an einer Ausbildung in klinischer Seelsorge teil. Diese Zeit zählt für sie zu den gewinnbringendsten Erfahrungen ihres gesamten Studiums. In der Ausbildung saßen die Teilnehmenden im Kreis und sprachen ein bis zwei Stunden lang über das, was im Hier und Jetzt wirklich wichtig war. Mit der Zeit verschwanden die üblichen Floskeln. Die Gruppe suchte nach Worten für das, was tatsächlich relevant war und für die einzelne Person zutraf. Für Maral lag darin eine besondere Kraft: Sie lernte, genauer hinzuhören und ehrlich über persönliche Themen zu sprechen. Klinische Seelsorge zeigt für sie, wie wichtig es sein kann, Menschen nicht mit schnellen Antworten zu begegnen, sondern gemeinsam nach dem zu suchen, was wirklich trägt.

Eine Gruppe von Menschen sitzt drinnen im Kreis, singt oder liest gemeinsam, während in der Mitte des Holzbodens eine Kerze und ein Tuch stehen.

Spiritualität kennt viele Wege

Ökumene als Bereicherung

Im spirituellen Zentrum arbeitet Maral zu rund 90 Prozent ökumenisch. Dass Menschen Spiritualität unterschiedlich leben und verstehen, ist für sie inzwischen selbstverständlich. Maral erlebt die Unterschiede zwischen den Menschen nicht als Hindernis. Im Gegenteil: Sie findet es bereichernd, wenn Menschen einander etwas zeigen, voneinander lernen und neue Perspektiven kennenlernen. Wenn Menschen in der Ökumene zusammenkommen, wird es für Maral bunt, reichhaltig und nahrhaft. Unterschiedliche religiöse und spirituelle Erfahrungen können sich ergänzen und einen gemeinsamen Raum schaffen.

Eine Frau kniet auf dem Boden und schlägt sanft mit einem Schlägel auf eine Klangschale, während andere im Hintergrund sitzen und die Hände im Schoß ruhen lassen.

Mehr erfahren

Du möchtest wissen, wie vielfältig Theologie, Seelsorge und Spiritualität sein können? Informiere dich über das Theologiestudium, den Pfarrberuf, Seelsorge, die Arbeit in der Gemeinde und Möglichkeiten, Kirche und Spiritualität praktisch kennenzulernen.

Auch allein gut arbeiten können

Was Maral in ihrem Beruf wichtig ist

Für ihre Arbeit braucht Maral Empathie und Freude am Kontakt mit anderen Menschen. Sie möchte offen auf Menschen zugehen, ihnen zuhören und ihre unterschiedlichen Erfahrungen ernst nehmen. Gleichzeitig ist Maral gern allein. Es fällt ihr nicht schwer, sich zurückzuziehen, um Texte zu schreiben oder für sich zu beten. Für ihren Beruf ist beides wichtig: Begegnung und Rückzug, Austausch und konzentriertes Arbeiten.

Eine Frau mit dunklem Haar, die einen gestreiften Rollkragenpullover und eine schwarze Latzhose trägt, sitzt drinnen und lächelt. Im Vordergrund steht eine Person in einer gelben Jacke.

Als ganzer Mensch vor Gott

Yoga als ganzheitliche Spiritualität

Wenn Maral Yoga übt, erlebt sie sich ganz körperlich vor Gott. Der Körper ist für sie nicht nur etwas, das sie besitzt. Sie sagt: „Ich habe nicht einen Körper, sondern ich bin mein Körper.“ Diese Sichtweise verändert auch ihren Zugang zu Spiritualität. Vor Gott steht der Mensch nicht nur mit seinen Gedanken und Gefühlen, sondern mit der gesamten Existenz. Körper, Geist und Gefühle gehören zusammen.

Eine Person kniet auf einem Steg an einem See, die Arme seitlich ausgestreckt, und macht Yoga oder Dehnübungen auf einer Matte. Im Hintergrund sind Bäume und ruhiges Wasser zu sehen.
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