
Jonas Hammerbacher, Dekanatsjugendpfarrer
Das ist alles Kirche. Und das ist mein Job.
Mit Wut im Gepäck
Von der Jugendarbeit ins Theologiestudium
Jonas hatte schon vor dem Studium viele Erfahrungen in der kirchlichen Jugendarbeit gesammelt. Die Arbeit mit Jugendlichen und das Engagement in der Kirche machten ihm so viel Spaß, dass für ihn nach dem Abitur schnell feststand: Er möchte es mit einem Theologiestudium versuchen. Gleichzeitig begann Jonas das Studium mit kritischen Fragen. Er fragte sich, warum Kirche so ist, wie sie ist, und ob Kirche nicht auch ganz anders sein könnte. Diese Wut war für ihn kein Grund, sich von der Kirche abzuwenden. Sie wurde vielmehr zum Antrieb, genauer hinzusehen und nach neuen Möglichkeiten zu suchen.
Auf einen Blick
- Name: Jonas Hammerbacher
- Weg zur Theologie: über die kirchliche Jugendarbeit
- Ausgangspunkt: die Frage, wie Kirche anders und wirksamer sein kann
- Was ihm das Studium gegeben hat: ein theologisches Fundament und Sprache für die großen Fragen des Lebens
- Was ihn am Pfarrberuf begeistert: die Vielfalt der Aufgaben und Begegnungen
- Besondere Erfahrungen im Vikariat: Beerdigungen, Kirche Kunterbunt und die Begleitung unterschiedlicher Lebenssituationen
- Was ihn trägt: sein Glaube und das gemeinsame Unterwegssein mit anderen Menschen
„Wie können wir mit unserer Kirche irgendwie in dieser Welt was verändern? Also nicht die Kirche verändern, sondern wie können wir mit Kirche als Kirche Welt verändern?“
Theologie macht sprachfähig
Kirche als Kraft für Veränderung
Heute richtet sich Jonas’ Frage etwas anders aus. Er fragt nicht mehr nur, wie Kirche selbst verändert werden kann. Ihn beschäftigt vor allem, wie Kirche in dieser Welt etwas verändern kann. Für Jonas ist das Theologiestudium dafür eine wichtige Grundlage. Ohne Theologie würde ihm heute das Fundament fehlen, ist er überzeugt. Das Studium hat ihm geholfen, Worte und Ausdrucksmöglichkeiten für seine Gedanken, Fragen und Überzeugungen zu finden. Im Studium durfte Jonas sich über mehrere Jahre mit grundlegenden Fragen beschäftigen: mit Fragen nach dem Leben, dem Sein und dem, was Menschen trägt. Diese Auseinandersetzung erlebt er als große Ressource – weit über die Theologie hinaus. Sie hilft ihm, Situationen einzuordnen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.
Theologie macht sprachfähig
Der Pfarrberuf als großer Spielplatz
Was Jonas am Pfarrberuf besonders schätzt, ist der große Spielraum, den er bietet. Im Vikariat hat er erlebt, wie unterschiedlich kirchliche Aufgaben sein können und wie viele verschiedene Menschen und Lebenssituationen darin Platz haben. In einer Woche hielt Jonas Beerdigungen. Diese Feiern waren emotional und standen im Zeichen des Abschieds. Dabei begleitete er Menschen in einer besonders schweren Situation. Am selben Wochenende feierte Jonas Kirche Kunterbunt mit rund 100 Menschen. Dort war das pure Leben spürbar. Für ihn lagen diese Erfahrungen nah beieinander: der Anfang des Lebens und das Ende des Lebens, Abschied und gemeinsames Feiern. Jonas durfte beides begleiten – auf ganz unterschiedliche Weise, in ganz unterschiedlichen Situationen. Genau diese Vielfalt gehört für ihn zum Pfarrberuf. Beerdigungen und fröhliche Gemeindefeste, schwere Momente und ausgelassene Begegnungen: All das ist Kirche und Teil seiner Arbeit.
Dein nächster Schritt
Du möchtest wissen, wie das Theologiestudium aufgebaut ist, wie vielfältig der Pfarrberuf sein kann oder wie der Weg ins Vikariat weitergeht? Informiere dich über das Hochschulstudium, den Pfarrberuf, das Vikariat und Möglichkeiten, Kirche praktisch kennenzulernen.
Etwas von sich selbst zeigen
Glaube als Grundlage für den Beruf
Jonas sagt, dass er seinen Beruf ohne Glauben nicht ausüben könnte. Für ihn bedeutet Pfarrersein nicht, anderen einfach etwas zu erzählen oder einen Vortrag zu halten. Es geht vielmehr darum, gemeinsam mit Menschen unterwegs zu sein, die glauben. Dieses gemeinsame Unterwegssein verlangt auch, etwas von sich selbst einzubringen. Wenn Menschen ihr Leben und ihren Glauben miteinander teilen, macht das verletzlich. Jonas erlebt seinen eigenen Glauben dabei als tragende Kraft – besonders in schwierigen Zeiten. Sein Glaube entlastet Jonas von dem Anspruch, die Kirche retten oder andere Menschen ethisch „fit“ machen zu müssen. Er muss nicht auf jede Frage eine perfekte Antwort geben und nicht alles allein lösen. Für ihn ist das, was in Kirche geschieht, in ein größeres Ganzes eingebettet: in das, was Menschen Glauben nennen.
Mit Menschen unterwegs sein
Kirche gemeinsam gestalten
Jonas’ Weg zeigt, dass ein Theologiestudium auch aus kritischen Fragen und Veränderungswünschen heraus beginnen kann. Wer Kirche nicht einfach hinnehmen, sondern mitgestalten möchte, findet im Studium Raum, die eigenen Gedanken zu klären und weiterzuentwickeln. Der Pfarrberuf verbindet für Jonas grundsätzliche Fragen mit ganz konkreten Begegnungen. Er reicht von der Begleitung am Lebensende bis zum gemeinsamen Feiern, von theologischer Reflexion bis zur Jugendarbeit. Wer sich für Menschen, Glauben und gesellschaftliche Veränderung interessiert, kann darin viele Möglichkeiten entdecken.