Work-Life-Integration
Der Pfarrberuf ist kein 9-to-5-Job. Aber er gibt dir etwas, das viele andere Jobs nicht geben: echte Freiheit, deinen Alltag so zu gestalten, wie er zu deinem Leben passt.
Kein 9-to-5 – aber mehr Freiheit als du denkst
Ja, als Pfarrer:in arbeitest du manchmal abends. Ja, du bist auch oft am Wochenende im Dienst. Das gehört dazu. Aber es gibt eine andere Seite, die oft vergessen wird: Du planst deinen Tag selbst. Du entscheidest, wann du was erledigst. Und du weißt: Das, was du tust, hat Bedeutung – für andere und für dich. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern arbeitet immer wieder an guten Strukturen für ihre Pfarrer:innen. Weil gute Arbeit nur möglich ist, wenn es den Menschen dahinter auch gut geht.
Andreas Lietz
Was Flexibilität im Pfarrberuf wirklich bedeutet
Wie sieht Flexibilität konkret aus?
Eigenverantwortliche Zeiteinteilung
Du hast keine festen Stechuhr-Zeiten. Es gibt feste Termine wie Schulunterricht oder Beerdigungen. Wann und wie du den Rest erledigst, liegt weitgehend bei dir. Das erfordert Selbstdisziplin, gibt dir aber echte Freiheit.
Ausgleichstage
Gottesdienst am Sonntag? Dafür hast du unter der Woche einen freien Tag. Das System der Ausgleichstage ist geregelt und wird ernst genommen.
6 Wochen Urlaub
Pfarrerinnen und Pfarrer haben Anspruch auf 6 Wochen Urlaub – plus Sonderurlaub für Fortbildungen und besondere Lebenssituationen.
Teilzeit ist möglich
Familie, Pflege, persönliche Gründe – Teilzeitstellen im Pfarramt sind möglich und werden von der ELKB aktiv unterstützt.
Auszeiten und Sabbaticals
Die ELKB ermöglicht Auszeiten. Ob für ein Sabbatjahr, eine besondere Lebensphase oder einfach Durchatmen – es gibt Regelungen, die das möglich machen.
Selbstbestimmt und Flexibel
Welche Freiheiten im Pfarralltag schätzt du besonders?
Familie und Beruf – geht das?
Ja, das geht. Die ELKB nimmt dieses Thema ernst. Uns ist es wichtig, dass unsere Pfarrerinnen und Pfarrer ihr Familienleben und ihren Beruf gut vereinbaren können.
Was das konkret bedeutet:
- Elternzeit: Beide Elternteile können ihr Arbeitsverhältnis jeweils bis zur Vollendung des 8. Lebensjahres des Kindes bis zu drei Jahre ruhen lassen.
- Teilzeit in Elternzeit: Während der Elternzeit ist es möglich, in Teilzeit zu arbeiten.
- Rückkehrgarantie: Wer bis zu 18 Monate in Elternzeit geht, kann danach an seine alte Stelle zurückkehren.
- Stellenteilung: Für Theolog:innen-Paare gibt es auch die Option, sich eine Stelle zu teilen. Je nach Lebensphase können sich die Partner:innen die Arbeitszeit aufteilen
Wer andere begleitet, braucht selbst Raum zum Auftanken
Reflexion, Spiritualität und neue Kraft
Pfarrerinnen und Pfarrer sind in ihrem Beruf viel für andere da. Damit sie diese Aufgabe langfristig gut und gesund ausüben können, bietet die ELKB verschiedene Möglichkeiten zur Reflexion, geistlichen Vertiefung und persönlichen Weiterentwicklung.
Supervision
hilft, schwierige Situationen, die eigene Rolle und die Zusammenarbeit im Team mit etwas Abstand zu betrachten.
Coaching
unterstützt dabei, berufliche Ziele zu klären, Veränderungen zu gestalten und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Geistliche Begleitung
schafft einen geschützten Raum für Fragen des Glaubens, der persönlichen Gottesbeziehung und der eigenen Spiritualität.
Fußball, Sauna oder Kneipenabend?
Was hilft dir, Abstand zu Studium oder Beruf zu gewinnen?
Abschalten – aber wie?
Der Pfarrberuf macht es einem nicht immer leicht, die Arbeit hinter sich zu lassen. Seelsorge, Verantwortung, Erreichbarkeit – das geht manchmal nicht einfach aus. Aber: Es gibt konkrete Wege, die helfen.
Abstand auf Zeit
Bewusst unterbrechen
Nicht jede Erholung passt in einen freien Nachmittag oder ein verlängertes Wochenende. Deshalb gibt es in der ELKB auch Angebote, die eine längere Unterbrechung vom Berufsalltag ermöglichen.

Exerzitien
Exerzitien bieten die Möglichkeit, für mehrere Tage aus dem Alltag herauszutreten und sich bewusst auf einen geistlichen Weg einzulassen. Zeiten der Stille, Gebet, Meditation, Körperwahrnehmung und persönliche Begleitgespräche können helfen, den eigenen Glauben zu vertiefen, Fragen zu sortieren und neue Orientierung zu gewinnen. Die ELKB kann Exerzitien mit bis zu 70 Prozent der Kosten, maximal 520 Euro pro Jahr, unterstützen. Über die jährlich 12 Tage Fortbildungskontingent bekommst du dafür dienstfrei. Angebote findest du z. B. bei Klöstern oder Bildungshäusern.

Atem holen
„Atem holen“ ist eine geistlich begleitete Auszeit von 3-4 Wochen für Pfarrpersonen. Viel Stille, geistliche Gespräche, Gebete und Bewegung in der Natur schaffen Raum, um Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen. Vorher gibt es ein Orientierungsgespräch: Was brauchst du gerade? Welche Form der Auszeit passt zu deiner persönlichen, familiären und beruflichen Situation? „Atem holen“ kann in der Regel erstmals nach fünf Jahren Dienstzugehörigkeit und anschließend höchstens alle fünf Jahre beantragt werden.
Häufig gestellte Fragen
Noch offene Fragen? Dann findest du hier die Antworten auf die meistgestellten Fragen zur Work-Life-Integration. Noch mehr Antworten findest du im FAQ Bereich.
Wie oft muss man als Pfarrer seine Stelle wechseln?
Gemeindepfarrer und Gemeindepfarrerinnen, die das 57. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sollen nach einer Tätigkeit von 10 bis 15 Jahren seit Übertragung der Pfarrstelle auf eine andere Pfarrstelle wechseln. Nach 15 Jahren entscheidet der jeweilige Kirchenvorstand, ob die Pfarrperson weiter in der Gemeinde tätig sein darf.
Dürfen Pfarrer:innen der ELKB Mitglied in einer politischen Partei sein?
Ja, Pfarrerinnen und Pfarrer dürfen Parteimitglieder sein.
Was kann ich schon im Studium tun, um später nicht auszubrennen?
Routinen aufbauen (Sport, Spiritualität, Pausen), Organisation lernen, Grenzen üben, Feedback suchen – und früh merken: Du musst nicht alles allein tragen.
Kann ich in Teilzeit arbeiten?
Ja. In der ELKB gibt es neben 100%- Stellen auch 50%-Stellen im Pfarrdienst.
Gibt es Unterstützung, wenn es zu viel wird?
Ja. Supervision, geistliche Begleitung, Kolleg:innen-Netzwerke, Fortbildungen und Beratungsangebote sind wichtige Bausteine. Auch das jährliche Mitarbeiter:innen-Gespräch mit deinem/deiner Dienstvorgesetzten kann dafür ein guter Ort sein.
Was hilft gegen das Gefühl, nie fertig zu sein?
Dienstzeit erfassen, Prioritäten setzen, feste Feierabend-Zeiten eintragen, Aufgaben systematisch organisieren (mit Methoden wie z. B. „Getting Things Done“) und regelmäßig reflektieren. Unterstützung bekommst du z. B. durch Coaching- oder Supervisionsangeboten der ELKB.
Wie viel Flexibilität habe ich wirklich?
Oft viel – du planst deinen Tag selbstständig. Gleichzeitig gibt es fixe Termine (Gottesdienst, Unterricht, Sitzungen, Beerdigungen). Work-Life-Integration ist daher eher „Gestaltungsaufgabe“ als Automatismus.
Wie kann man im Pfarrhaus Arbeit und Privatleben trennen?
Durch klare Regeln: feste Bürozeiten, ein eigener Arbeitsraum, „dienstfrei“-Zeiten, keine Mails am Abend – und vor allem: konsequent kommunizieren.
Ist der Pfarrberuf ein „immer erreichbar“-Job?
Nein. Du hast viel Mitbestimmung, wie die dir Dienstzeit und Freizeit einteilst. Es gibt Ausnahmen (z. B. Notfälle), aber grundsätzlich helfen Absprachen, Vertretungen und klare Erreichbarkeiten.
Ist der Pfarrberuf vereinbar mit Freizeit und Hobbys?
Ja – wenn du bewusst Grenzen setzt. Viele Pfarrer:innen haben Sport, Musik, Familie, Freundeskreis und planen feste Freizeiten ein. Ähnlich wie bei der Arbeit als selbstständige Person ist es Teil deines Berufs, dich abzugrenzen und deinem Dienst feste Zeiten und feste Orte zu geben. Hilfreich dafür ist zum Beispiel eine Dienstordnung oder das eigenständige Erfassen der Zeit im Dienst.
So ist es als Pfarrer:in

