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Alltag im Pfarrberuf

Pfarrerinnen und Pfarrer in Bayern begleiten Menschen – in den schönsten und in den schwersten Momenten des Lebens. Das macht diesen Beruf so besonders.

Was macht ein:e Pfarrer:in wirklich?

So vielfältig ist der Alltag als Pfarrer:in.

Was macht eigentlich eine Pfarrerin, ein Pfarrer so den ganzen Tag? Die ehrliche Antwort: Es gibt keinen typischen Tag. Und genau das ist das Schöne daran. Morgens vielleicht eine Bestattung. Danach ein Geburtstagsbesuch. Mittags die Vorbereitung der Predigt für Sonntag. Am Nachmittag ein Konfirmandentreffen, bei dem du plötzlich die härtesten Fragen deines Lebens gestellt bekommst. Abends vielleicht eine Sitzung mit dem Kirchenvorstand. Du arbeitest eigenständig, planst deinen Alltag weitgehend selbst und begegnest Menschen aus allen Lebenswelten. Du bist Seelsorger:in, Prediger:in, Lehrer:in, Organisator:in und vieles mehr.

Eine Frau mit Priesterkragen spricht selbstbewusst auf der Bühne, hält Papiere in der Hand und trägt ein Headset-Mikrofon; die Beleuchtung ist warm und der Hintergrund ist unscharf.

Beispielablauf

Ein Tag als Pfarrer:in

08:00 Uhr
Reli-Unterricht in der Grundschule
10:00 Uhr
Bestattungsgespräch mit Angehörigen
11:00 Uhr
Weiterschreiben der Predigt für Sonntag
12:00 Uhr
Mittagspause
13:00 Uhr
Redaktionstreffen für den Gemeindebrief
Ab 15:00 Uhr
Lange Pause
20:00 Uhr
Leitung der Kirchenvorstandssitzung
22:00 Uhr
Feierabend
Eine junge Frau lächelt, während sie sich über einen Schreibtisch beugt und mit Kindern in einem Klassenzimmer spricht, das mit Kunstwerken der Schüler und Pflanzen geschmückt ist.
Dein Alltag? So könnte er aussehen

Spiritualität als Teil des Dienstes

Was dich im Dienst trägt

Im Pfarrberuf bist du nicht nur für andere da. Zum Dienst gehört auch, die eigene Spiritualität zu pflegen. Gebet, Gottesdienst, Meditation, Bibellektüre, Stille, Yoga oder andere geistliche Formen können helfen, den eigenen Glauben lebendig zu halten und Erfahrungen im Dienst zu reflektieren. Welche Form dafür passt, ist persönlich. Wichtig ist, dass du einen Weg findest, der dich trägt – gerade dann, wenn der Berufsalltag herausfordernd ist. Im Rahmen einer Dienstordnung sind 2-5 Stunden pro Woche dafür vorgesehen.

Eine Frau mit welligem, dunklem Haar in einer durchsichtigen schwarzen Bluse steht in einer Kunstgalerie und blickt nachdenklich zu den gerahmten Gemälden an der Wand hinter ihr hinauf.

Jeder Tag ist ander

Wie sieht ein klassischer Arbeitstag von dir aus?

Was gehört alles dazu

Aufgaben als Gemeindepfarrer:in

Kein Tag ist wie der andere – das ist wohl das Ehrlichste, was man über den Pfarrberuf sagen kann. Es gibt natürlich Aufgaben, die immer wiederkehren – aber diese hängen stark von deiner konkreten Stelle ab: Bist du in einer Großstadtgemeinde oder auf dem Land? Arbeitest du allein oder in einem großen Team? In der Dienstordnung jeder Stelle sind die Aufgabenbereiche festgelegt – du übernimmst also immer nur einen Teil des großen Ganzen.

Ein Mann in einer schwarzen Robe und einem weißen Kragen lächelt, während er sich im Freien mit einer Frau unterhält. Im Hintergrund sind weitere Personen und ein blauer Baldachin zu sehen.

Seelsorge & Begleitung

Im Alltag kommt es oft zu kurzen Seelsorgebegegnungen bei zufälligen Treffen. Manchmal setzt man sich aber auch mit Menschen hin und führt ein längeres Gespräch. Das kann in ganz unterschiedlichen Settings sein, z. B.:

  • Gespräche zu Bestattungen, Hochzeiten oder Taufen
  • Besuche zu (besonderen) Geburtstagen
  • Besuche im Krankenhaus oder Seniorenheim
  • Geistliche Begleitgespräche
  • Notfallseelsorge
Eine Frau sitzt lächelnd in einem Klassenzimmer, umgeben von Kindern, die einen Kreis bilden. Im Hintergrund sind eine Tafel und eine große Leinwand zu sehen.

Bildung

Als Pfarrer:in der ELKB sind 25% deiner Stelle Religionsunterricht an Schulen. Das können Grund-, Mittel-, Real- und Berufsschulen, sowie Gymnasien sein. Zu Bildung gehören aber u. a. auch Konfi und Erwachsenenbildung:

  • 6 Wochenstunden Unterricht vorbereiten und halten
  • Konfi – du begleitest Jugendliche auf ihrem Weg zur Konfirmation, oft gemeinsam mit einem Team aus jungen Ehrenamtlichen (den sogenannten Teamer:innen)
  • Jugendarbeit und Freizeiten
  • Erwachsenenbildung: Bibelkreise, Vortragsabende, Gesprächsrunden
Eine Person spricht vor einem sitzenden Publikum in einer schummrigen Kapelle, in der ein Kreuz, Kerzen und violett-blaue Beleuchtung an einer Backsteinwand zu sehen sind.

Gottesdienst

Das verbindet man meist als erstes mit dem Pfarrberuf. Zu dieser Aufgabe gehört auch einiges an Vorbereitung: Eine Predigt schreiben, die Liturgie anpassen, Absprachen treffen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Settings, in denen der Gottesdienst stattfinden kann:

  • Gottesdienst in einem Altenheim
  • Schulgottesdienst
  • Gottesdienst nach G1 am Sonntagmorgen
  • Jugendgottesdienste
  • Familiengottesdienste
  • Gottesdienste zu Taufe, Hochzeit, Beerdigung u.a.
Die Menschen sitzen in einem sonnendurchfluteten Klassenzimmer an Tischen, schreiben und hören zu, während auf den Tischen Hefte und Blätter liegen.

Gremienarbeit, Sitzungen, Verwaltung & PR

Vieles, was Pfarrerinnen und Pfarrer tun, läuft im Hintergrund. Hier ein Blick hinter die Kulissen:

  • Geschäftsführung der Kirchengemeinde
  • Personalführung von Gemeindemitarbeitenden (z. B. Mesner:in, Sekretär:in)
  • Leitung des Kirchenvorstands
  • Leitung von und Teilnahme an Sitzungen – z. B. Dienstbesprechungen und Dienstkonferenzen
  • Redaktionelle Verantwortung für Gemeindebrief, Website und Social-Media-Kanäle u. v. m
Eine Frau kniet auf dem Boden und hält eine Klangschale in der Hand; um sie herum sitzen Menschen in einem sanft beleuchteten Raum, was auf eine Gruppenmeditation oder eine Achtsamkeitssitzung hindeutet.

Angebote für alle – Gruppen & Zielgruppenarbeit

Eine Gemeinde besteht aus Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen. Du gestaltest Angebote, die genau da ansetzen – und arbeitest dabei oft mit Ehrenamtlichen zusammen, die du begleitest, z. B. bei

  • Kirche Kunterbunt – ein buntes Programm für Familien mit Kindern
  • Meditationsgruppen – Menschen einladen, zur Ruhe zu kommen und innezuhalten
  • Seniorennachmittage – für ältere Gemeindemitglieder da sein, Gemeinschaft schaffen
  • Pilger-Angebote – gemeinsam unterwegs sein – spirituell und ganz praktisch zu Fuß
  • Pop-up-Segensangebote am Ort

Doros Jobeinstieg als Pfarrerin

Mein erster Kneipengottesdienst

Häufig gestellte Fragen

Noch offene Fragen? Dann findest du hier die Antworten auf die meistgestellten Fragen zum Alltag im Pfarrberuf. Noch mehr Antworten findest du im FAQ Bereich.

Stimmt es, dass man für eine Schulpfarrstelle einen bestimmten Notenschnitt im Examen erreichen muss?

Ja, Pfarrer:innen, die hauptamtlich im Schuldienst tätig sein wollen, müssen in der Regel einen Notendurchschnitt aus beiden Examina von mind. 3,5 haben.
Die Grundlage dafür sind die Voraussetzungen, die das Staatsministerium bei der Einstellung von Lehrkräften ansetzt. Auch hier liegt der geforderte Notendurchschnitt beider Examina bei mind. 3,5.

Gibt es in der ELKB Vorbehalte gegen die Frauenordination?

Nein. Frauen und Männer sind auf allen Ebenen der kirchlichen Ämter rechtlich gleichgestellt (vgl. die zahlreichen Dekaninnen und auch Regionalbischöfinnen, die es in der ELKB gibt). Wenn eine Frau aufgrund ihres Geschlechts für eine Pfarrstelle abgelehnt würde, wäre das eindeutig Diskriminierung.

Welche Fähigkeiten sind im Alltag als Pfarrer:in wichtig?

Zuhören können, gut kommunizieren, organisieren, reflektieren, Grenzen setzen, im Team arbeiten – und eine Spiritualität, die dich trägt.

Kann ich als Pfarrer:in eigene Ideen umsetzen?

Ja. Du hast Gestaltungsspielraum – gerade bei Gottesdiensten, Projekten, Jugendarbeit und neuen Formaten. Gleichzeitig gibt es Rahmen und Absprachen in der Gemeinde. Wie z. B. Gottesdienste in einer Gemeinde gefeiert werden, entscheidet der Kirchenvorstand vor Ort. Was du in einer Predigt dann aber konkret sagst, ist dir überlassen.

Arbeite ich alleine oder im Team?

Beides. Es gibt Teile, die machst du Großteils alleine (z. B. Unterricht vorbereiten, an einer Predigt schreiben, Büroarbeit). Gleichzeitig bist du Teil eines Teams mit anderen Hauptamtlichen und auch – je nach Stelle – in verschiedenen Teams mit Ehrenamtlichen eingebunden. Der Pfarrberuf ist in Zukunft kein Einzelkämpfer:innen-Beruf mehr, wie er früher oft ausgeführt wurde.

Was ist, wenn ich emotional mit Trauer oder Krisen nicht gut umgehen kann?

Dafür gibt es Ausbildung, Supervision und Begleitung. Wichtig ist nicht, „hart“ zu sein – sondern professionell und menschlich.

Muss ich gut vor Menschen sprechen können?

Es hilft – aber du musst kein geborener Bühnenmensch sein. Predigen und Auftreten lernt man Schritt für Schritt im Studium, im Vikariat und durch Feedback.

Wie viel „Büro“ steckt in dem Beruf?

Mehr als viele denken: Mails, Planung, Absprachen, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit. Insgesamt hängt das Stark von der Art der Stelle ab.

Bin ich als Pfarrer:in immer auf Abruf?

Erreichbar sein gehört dazu, wenn du im Dienst bist – aber nicht 24/7. Viele arbeiten mit Anrufbeantworter oder Diensthandy mit klaren Zeiten (z. B. nachts aus) und rufen dann zurück; nur in der Notfallseelsorge-Bereitschaft musst du wirklich durchgehend erreichbar sein.

Muss ich jeden Sonntag arbeiten?

Am Wochenende arbeiten gehört in diesem Beruf mit dazu. Du hast Anspruch auf ein freies Wochenende pro Monat. Ansonsten planst du mit Kolleg:innen oft weit im Voraus, an welchen Wochenenden wer Dienste übernimmt. Gute Organisation und konkrete Absprachen sind hier der Schlüssel zu eigenen Freiheiten.

Wie sieht ein typischer Tag als Pfarrer:in aus?

Einen „typischen“ Tag gibt es selten. Oft mischen sich Gespräche, Vorbereitung (z. B. Predigt), Termine mit Gruppen und organisatorische Aufgaben – und dazwischen: Menschen, die spontan Hilfe brauchen.

Du kannst dir diesen Beruf vorstellen?

Erfahre mehr zum Pfarrberuf, dem Weg dorthin und wer dich bei deiner Entscheidung unterstützen kann.

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